Die Weinlese ist der Höhepunkt des Winzerjahres. Nach Monaten der Pflege und Beobachtung werden die Trauben endlich geerntet – ein Moment, der über Qualität und Charakter des späteren Weins entscheidet. Doch wann ist eigentlich Weinlese? Und wie läuft die Traubenernte genau ab? In diesem Ratgeber erfahren Sie alles Wissenswerte rund um die Weinlese und bekommen einen Einblick, wie wir am Kappelberg unsere Trauben ernten.
Wann ist Weinlese? Der richtige Zeitpunkt für die Traubenernte
Die Frage „Wann ist Weinlese?“ lässt sich nicht pauschal beantworten, denn der optimale Zeitpunkt hängt von mehreren Faktoren ab: Rebsorte, Witterung und gewünschter Weinstil spielen eine entscheidende Rolle.
In Deutschland beginnt die Weinlese in der Regel Mitte September und kann sich bis in den November hineinziehen. Frühreife Sorten wie Müller-Thurgau oder Bacchus werden zuerst gelesen, während spätreifende Sorten wie Riesling oder Lemberger mehr Zeit benötigen.
Der Winzer prüft regelmäßig den Reifegrad der Trauben. Dabei achtet er auf das Mostgewicht (gemessen in Grad Oechsle), den Säuregehalt und die
geschmackliche Reife. Erst wenn alle Parameter stimmen, fällt der Startschuss für die Traubenernte. Manchmal entscheiden wenige Tage über einen guten oder einen herausragenden Jahrgang.
Für besondere Qualitätsstufen wie Spätlese oder Auslese werden die Trauben bewusst später geerntet, um eine höhere Konzentration an Zucker und Aromen zu erreichen.
Wie läuft die Weinlese ab? Von der Rebe bis zur Kelte
Der Ablauf der Weinlese folgt einem eingespielten Rhythmus, der Präzision und Schnelligkeit erfordert. Die Trauben sollten möglichst frisch und unbeschädigt in der Kelter ankommen, damit die Qualität erhalten bleibt.
Die Weinlese beginnt oft in den frühen Morgenstunden. Zu dieser Zeit sind die Temperaturen noch kühl, was die Frische der Trauben bewahrt und eine
vorzeitige Gärung verhindert. Die Lesehelfer schneiden die Trauben mit speziellen Rebscheren von den Stöcken und legen sie vorsichtig in Leseeimer oder Bütten.
In der Kelter angekommen, werden die Trauben gewogen und ihr Mostgewicht gemessen. Anschließend werden sie je nach Weinart direkt gepresst (bei Weißwein) oder zunächst eingemaischt (bei Rotwein). Die weitere Verarbeitung – von der Gärung bis zur Reifung – entscheidet dann über den endgültigen Charakter des Weins.
Bei uns an der Neuen Kelter in Fellbach herrscht während der Weinlese Hochbetrieb. Unsere Mitglieder liefern ihre Trauben an, die dann fachkundig weiterverarbeitet werden.
Handlese vs. maschinelle Lese: Qualität durch Handarbeit
Grundsätzlich unterscheidet man zwei Methoden, um Weintrauben zu ernten: die traditionelle Handlese und die maschinelle Lese mit dem Vollernter.
Handlese:
Bei der Handlese werden die Trauben einzeln von Hand geschnitten. Diese Methode ermöglicht eine sorgfältige Selektion direkt am Stock. Beschädigte oder unreife Beeren können aussortiert werden, bevor sie in den Erntebehälter gelangen. Besonders für hochwertige Weine und Steillagen ist die Handlese unverzichtbar. Sie ist zwar arbeitsintensiv, garantiert aber höchste Qualität.
Maschinelle Lese:
Der Vollernter schüttelt die Trauben von den Reben und sammelt sie auf. Diese Methode ist schneller und kostengünstiger, eignet sich jedoch nur für flache Weinberge. Die Selektion erfolgt hier erst später bei der Anlieferung.
Am Kappelberg mit seinen Steillagen setzen wir überwiegend auf Handlese. Unsere Winzer kennen ihre Weinberge genau und wissen, welche Trauben das Potenzial für besondere Weine haben
Weinlese am Kappelberg: So ernten die Fellbacher Weingärtner
Der Weinbau am Kappelberg hat eine lange Tradition. Die Steillagen mit ihren Keuperböden und der optimalen Südausrichtung bieten ideale Bedingungen für unsere Rebsorten – von Trollinger über Riesling bis hin zu Lemberger.
Die Weinlese ist bei uns echte Gemeinschaftsarbeit. Unsere Mitgliedsbetriebe pflegen ihre Weinberge das ganze Jahr über und bringen zur Lesezeit ihre Trauben zur Neuen Kelter in der Kappelbergstraße. Dort werden sie von unserem Team entgegengenommen und direkt verarbeitet.
Wer die Atmosphäre der Weinlese hautnah erleben möchte, kann den Fellbacher Weinweg erwandern. Von dort aus haben Sie einen wunderbaren Blick auf die Weinberge und können im Herbst die Lesearbeiten beobachten.
Kann man bei der Weinlese helfen? Tipps für Weinliebhaber
Die Weinlese selbst mitzuerleben, ist für viele Weinliebhaber ein besonderes Erlebnis. Tatsächlich suchen manche Weingüter und Genossenschaften während der Erntezeit Helfer, die bei der Traubenlese unterstützen.
Wer bei der Weinlese helfen möchte, sollte Folgendes beachten: Die Arbeit im Weinberg ist körperlich anspruchsvoll. Frühes Aufstehen, gebückte Haltung und wechselnde Witterung gehören dazu. Dafür wird man mit einem einzigartigen Erlebnis belohnt – dem direkten Kontakt zur Natur und dem Wissen, an der Entstehung eines Weins mitgewirkt zu haben.
Bei den Fellbacher Weingärtnern können Sie die Weinlese auf andere Weise erleben: Unsere Kellerblicke bieten Einblicke in die Weinbereitung, und beim Weintreff am Kappelberg können Sie die Ergebnisse der Lese direkt verkosten.
Was passiert nach der Traubenlese?
Mit der Traubenernte beginnt erst die eigentliche Arbeit im Keller. Die Trauben werden gepresst, der Most beginnt zu gären, und der junge Wein reift in Tanks oder Fässern heran.
Je nach Weinart und Qualitätsstufe dauert dieser Prozess unterschiedlich lang. Einfache Qualitätsweine sind oft schon im Frühjahr trinkfertig, während gehaltvolle Rotweine oder Barriqueweine mehrere Jahre reifen können. Mehr zur optimalen Lagerung von Wein erfahren Sie in unserem Ratgeber.
Die Weinlese markiert also nicht das Ende, sondern den Anfang eines langen Weges – vom Weinberg ins Glas. Und genau das macht diesen Moment so besonders.
Probieren Sie die Ergebnisse unserer sorgfältigen Weinlese: Entdecken Sie unser Sortiment mit Weinen vom Kappelberg.
